
🩸 IVF und Thrombophilie: Erhöhtes Risiko oder unnötige Sorge?
Einleitung
Viele Patientinnen fragen sich im Rahmen einer IVF-Behandlung:
👉 Erhöht IVF das Risiko für Thrombosen (Blutgerinnsel)?
👉 Sollte man vorsorglich Blutverdünner einnehmen?
Eine wissenschaftliche Übersichtsarbeit hat untersucht, wie IVF, Thrombophilie (Gerinnungsstörungen) und antithrombotische Therapien zusammenhängen.
🧠 Was ist Thrombophilie?
Thrombophilie bedeutet eine erhöhte Neigung zur Blutgerinnung.
Sie kann:
- genetisch bedingt sein (z. B. Faktor-V-Leiden)
- oder erworben (z. B. Antiphospholipid-Syndrom)
👉 Wichtig:
Nicht jede Frau mit Thrombophilie hat automatisch Probleme bei IVF oder Schwangerschaft.
🔬 Warum ist das Thema bei IVF relevant?
Während einer IVF-Behandlung:
- werden Hormone (v. a. Östrogene) eingesetzt
- diese können die Blutgerinnung beeinflussen
- zusätzlich kann es zu einer Überstimulation der Eierstöcke (OHSS) kommen
👉 Dadurch kann das Risiko für Thrombosen leicht ansteigen
📊 Zentrale Ergebnisse der Studie
✔️ 1. IVF kann das Thromboserisiko leicht erhöhen
- Besonders im Zusammenhang mit:
- hohen Hormonspiegeln
- OHSS (Überstimulationssyndrom)
👉 Aber:
Das absolute Risiko bleibt insgesamt niedrig
✔️ 2. Thrombophilie ist kein klarer Hauptfaktor für IVF-Misserfolg
- Studien zeigen:
- keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen Thrombophilie und Einnistungsversagen
- auch keine klare Verbindung zu Fehlgeburten in allen Fällen
👉 Fazit:
Thrombophilie erklärt nicht automatisch einen unerfüllten Kinderwunsch
⚠️ 3. Screening wird nicht generell empfohlen
- Ein routinemäßiger Test auf Thrombophilie:
- bringt oft keinen klaren Nutzen
- Nur sinnvoll bei:
- persönlicher Thrombose-Vorgeschichte
- familiärer Belastung
⚠️ 4. Blutverdünner (z. B. Heparin) nicht für alle sinnvoll
- Häufig eingesetzte Medikamente:
- Heparin
- Aspirin
👉 Studien zeigen:
- Kein klarer Vorteil bei allen IVF-Patientinnen
- Nutzen nur in bestimmten Fällen (z. B. Antiphospholipid-Syndrom)
⚖️ Risiken einer vorsorglichen Therapie
Blutverdünner sind nicht harmlos:
- Blutungsrisiko
- Nebenwirkungen
- zusätzliche Belastung durch Spritzen
👉 Deshalb sollten sie nicht routinemäßig eingesetzt werden
👩⚕️ Wann ist eine Behandlung sinnvoll?
Eine antithrombotische Therapie kann sinnvoll sein bei:
- nachgewiesener Thrombophilie mit Risiko
- Antiphospholipid-Syndrom
- vorherigen Thrombosen
- schwerem OHSS-Risiko
👉 Entscheidung immer individuell treffen
🧠 Fazit für Patientinnen
- IVF kann das Thromboserisiko leicht erhöhen – aber insgesamt bleibt es selten
- Thrombophilie ist nicht automatisch eine Ursache für IVF-Misserfolg
- Blutverdünner helfen nicht jeder Patientin
- Eine gezielte, individuelle Behandlung ist entscheidend
👉 Kurz gesagt:
Nicht jede Patientin braucht Gerinnungsmedikamente
💡 Patienten-Tipp
Wenn Sie sich Sorgen über Thrombose oder Blutgerinnung machen:
- Sprechen Sie gezielt Ihre Risikofaktoren an
- Lassen Sie sich individuell beraten
- Vermeiden Sie unnötige Zusatztherapien
👉 Wichtig:
Mehr Behandlung bedeutet nicht immer bessere Chancen
Dr. Peet, 01.04.2026
Quelle:
Di Micco P, Russo V, Mastroiacovo D, Bosevski M, Lodigiani C.J Blood Med. 2020 Jun 11;11:185-190. doi: 10.2147/JBM.S248988. eCollection 2020.PMID: 32607036 Free PMC article.

