Deutsche Zusammenfassung einer Übersichtsarbeit von 2025

Immuntherapie bei wiederholten Fehlgeburten – Hoffnungsträger oder überschätzt?
Hintergrund: Wenn die Ursache unklar bleibt
Wiederholte Fehlgeburten (medizinisch: recurrent pregnancy loss, RPL) sind für betroffene Paare besonders belastend – vor allem dann, wenn keine klare Ursache gefunden wird. In etwa 50 % der Fälle sprechen Ärzt:innen von unerklärten Fehlgeburten.
Immer stärker rückt dabei das Immunsystem der Mutter in den Fokus. Die zentrale Frage:
👉 Greift der Körper möglicherweise die eigene Schwangerschaft an?
Worum geht es in der Studie?
Die systematische Übersichtsarbeit von Giordano Incognito et al. untersucht:
- Ob Immuntherapien die Erfolgsraten bei IVF (künstlicher Befruchtung) verbessern
- Speziell bei Frauen mit unerklärten wiederholten Fehlgeburten
- Und welche Rolle eine personalisierte Medizin dabei spielen könnte
Dabei wurden zahlreiche klinische Studien ausgewertet und miteinander verglichen.
Welche Immuntherapien wurden untersucht?
Die Studie betrachtet mehrere Therapieansätze, die das Immunsystem beeinflussen sollen:
1. Kortikosteroide (z. B. Prednisolon)
- Unterdrücken Immunreaktionen
- Ziel: Verhindern, dass das Immunsystem den Embryo angreift
👉 Ergebnis:
Teilweise Hinweise auf verbesserte Schwangerschaftsraten, aber keine einheitliche Evidenz
2. Intravenöse Immunglobuline (IVIG)
- Antikörper aus Blutspenden
- Sollen fehlgeleitete Immunreaktionen regulieren
👉 Ergebnis:
Einige Studien zeigen positive Effekte – jedoch sehr teuer und nicht eindeutig belegt
3. Intralipid-Infusionen
- Fettemulsionen, ursprünglich aus der Intensivmedizin
- Beeinflussen bestimmte Immunzellen (z. B. NK-Zellen)
👉 Ergebnis:
Vielversprechend in kleinen Studien, aber weiterhin experimentell
4. TNF-α-Blocker und andere gezielte Therapien
- Greifen gezielt in entzündliche Prozesse ein
👉 Ergebnis:
Noch wenig Daten – Einsatz derzeit nicht standardisiert
Zentrale Ergebnisse der Übersichtsarbeit
⚖️ Keine klare Empfehlung für alle Patientinnen
- Die Studienlage ist uneinheitlich
- Viele Studien sind klein oder methodisch unterschiedlich
- Es gibt keine universelle Immuntherapie, die für alle Frauen mit RPL empfohlen werden kann
🧬 Individualisierte Diagnostik ist entscheidend
Ein besonders wichtiger Punkt der Arbeit:
👉 Nicht jede Frau mit Fehlgeburten hat ein immunologisches Problem
Die Autor:innen betonen:
- Immuntherapien könnten nur bei bestimmten Untergruppen sinnvoll sein
- Dafür braucht es gezielte Diagnostik (z. B. NK-Zellen, Zytokine, Autoantikörper)
🤰 IVF-Ergebnisse: Teilweise Verbesserung möglich
- In einigen Studien verbesserten sich:
- Implantationsraten
- klinische Schwangerschaftsraten
- Aber:
- Kein konsistenter Effekt auf Lebendgeburtenrate
👉 Das ist entscheidend, denn letztlich zählt die Geburt eines gesunden Kindes
Bedeutung für die Praxis
Was bedeutet das für Kinderwunschpatientinnen?
1. Hoffnung – aber keine Garantie
Immuntherapien können helfen, sind aber kein Wundermittel
2. Vorsicht vor „Standard-Immuntherapie“
Nicht jede Patientin profitiert – unnötige Behandlungen sollten vermieden werden
3. Personalisierte Medizin ist der Schlüssel
Die Zukunft liegt in individuell angepassten Therapien statt „one-size-fits-all“
Kritik und offene Fragen
Die Autor:innen weisen auch auf wichtige Einschränkungen hin:
- Unterschiedliche Definitionen von RPL
- Fehlende Standardisierung der Immun-Diagnostik
- Mangel an großen, hochwertigen randomisierten Studien
👉 Fazit: Die Forschung steckt noch in der Entwicklung
Fazit für deinen Blog
👉 Immuntherapien bei unerklärten Fehlgeburten sind ein spannendes, aber noch nicht vollständig verstandenes Feld.
- Es gibt Hinweise auf Nutzen – besonders bei ausgewählten Patientinnen
- Die Datenlage ist jedoch widersprüchlich
- Eine individuelle Abklärung ist entscheidend
💡 Take-home-Message:
Immuntherapie kann ein Baustein sein – aber nur im Rahmen eines durchdachten, personalisierten Behandlungskonzepts.
Dr. Peet, 30.03.2026
Quelle:
J Pers Med
. 2025 Dec 6;15(12):606.
doi: 10.3390/jpm15120606.
Immunotherapy and IVF Outcomes in Unexplained Recurrent Pregnancy Loss: A Systematic Review with Implications for Personalized Reproductive Medicine
Giosuè Giordano Incognito 1, Carla Ettore 1, Marco D’Asta 1, Ferdinando Antonio Gulino 2, Roberta Foti 3, Roberto Tozzi 4, Orazio De Tommasi 4, Pierluigi Chieppa 5, Stefano Di Michele 6, Giuseppe Ettore 1

